Baufortschritt: Turmsanierung des kath. Liebfrauenmünsters "Mariä Himmelfahrt" in Wolframs-Eschenbach

Seit neuestem ist ein kurzer Videoclip über den Verlauf der Arbeiten am Kirchturm des kath. Liebfrauenmünsters „Mariä Himmelfahrt“ in Wolframs-Eschenbach auf der Homepage der Diözese Eichstätt online.

 

Hier geht es zum Video:

http://www.bistum-eichstaett.de/video/detail/news/dachsanierung-des-liebfrauenmuensters-in-wolframs-eschenbach/

 

Artikel zur Turmsanierung des Liebfrauenmünsters

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt, Nr. 49 vom 07.12.2014

Dachdecken für Profis

 

Beim Kirchturm in Wolframs-Eschenbach ist jeder Ziegel ein Unikat und hat seinen festen Platz

 

Gut 40 Meter hoch über Wolframs-Eschenbach weht ein eisiger Wind. Auf dem Baugerüst rund um den Turm des Liebfrauenmünsters lagern fein säuberlich sortiert kleine Stapel mit Dachziegeln, manche sind grün-weiß, andere ganz grün oder schwarz. Jeder Ziegel ist ein Unikat und trägt eine kleine Aufschrift. Unter Anleitung von Dachdeckermeister Peter Schudack hebt ein Mitarbeiter einen Ziegel hoch auf dem „S 40 2“ steht. Er findet seinen Platz auf der Südseite des über 20 Meter hoch aufragenden Turmhelms, kommt in die 40. Reihe von unten an gezählt und da an Position zwei. „Das einmalige hier sind die Muster, die Formen und die Farben“, schwärmt Schudack. In seiner langen Karriere hat er schon viele Dächer gedeckt, auch Kirchtürme. Doch am Liebfrauenmünster wartet eine große Herausforderung auf ihn und sein Team: Das Dach wird originalgetreu wieder eingedeckt mit neuen Ziegeln die verschiedene Wappen und Symbole zeigen. Bereits fertig ist der Bischofsstab, weiß auf rotem Hintergrund. Der war in dieser Form bisher nicht auf dem Dach zu sehen. „Das ist ein Zeichen des Danks an die Diözese Eichstätt“, erklärt Pfarrer Jochen Scherzer. Die Diözese fördert die rund 1,1 Millionen Euro teure Sanierung mit einem Löwenanteil von über 600.000 Euro.

Baustellenbesuch: (v. l.) Pfarrer Jochen Scherzer, Architektin Barbara Geißel und Dachdeckermeister Peter Schudack auf dem Baugerüst am Turm. Fotos: Franzetti

BEI 1.200 GRAD IM OFEN

  Andere Wappen werden so rekonstruiert, wie sie seit der letzten Neueindeckung 1956 auf dem Turm zu sehen waren. So wird es wieder das Visier des Ritters Wolfram geben, einen schwarzen Adler auf goldenem Grund, und das Wappen des Komturs Sinom von Leonrod. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, aus der ebenfalls Fördergelder fließen, weist in einem Gutachten darauf hin, dass „auch schon zuvor eine Eindeckung mit farbigen Ziegeln und Wappendarstellungen vorhanden“ war, was Fotos aus dem Jahr 1936 belegen.

  Beim Ortstermin legen die Dachdecker gerade ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund an die Südseite. Alle Ziegel sind in enger Absprache mit dem Amt für Denkmalschutz von der Firma Erlus gefertigt worden. Wie Projektleiter Paul Achim Zielinski im Gespräch mit der Kirchenzeitung erklärt, handelt es sich dabei um sogenannte starke Kirchenbiber. In der Werkhalle wurden an kleinen Dachstühlen die Ziegel aufgelegt, die Wappen von Keramikmeistern aufgezeichnet, glasiert und anschließend ging es in den Ofen. Weit über 30 Stunden bei 1.200 Grad brannten die Ziegel dort, ehe sie auf den Weg nach Mittelfranken gingen.

  Neben der Kirche in Wolframs-Eschenbach stehen überall Gitterboxen. Jede enthält ein anderes Wappen, das sich aus bis zu 400 Ziegeln zusammensetzt. Dachdecker Uwe Büttner hat den Überblick, darf als einziger die Boxen öffnen, mit einem laminierten Plan in der Hand die Ziegel herausholen und sortieren. Immer nur eine kleine Menge schickt er mit dem Lastenaufzug nach oben. 14.000 werden es am Ende sein. Eine Infografik am Bauzaun zeigt, dass schon weit mehr als die Hälfte des 340 Quadratmeter großen Turmdachs eindeckt sind. Fast 10.000 Schrauben halten die Ziegel, sorgen dafür, dass sie bei Regen, Hagel und Sturm da bleiben, wo sie hingehören. Das war beim alten Dach zuletzt nicht mehr der Fall. Immer wieder seien Ziegel und Mörtelbrocken vom Turm gefallen, heißt es in dem Gutachten.

14.000 Dachziegel zieren demnächst wieder den Kirchturm in Wolframs-Eschenbach. Sie zeigen traditionelle Wappen und Symbole und sind einzigartig. Ein neues Motiv ist der Bischofsstab (Abb. r.). Fotos: Franzetti

  Ins Rollen kam die ganze Baumaßnahme allerdings erst, als vor vier Jahren der Wetterhahn vom Dach geholt werden sollte. Mit einem Hublift wagte sich dabei auch Pfarrer Scherzer in luftige Höhe. „Das hat ganz schön geschwankt“, blickt er zurück. Einmal oben zeigten sich statische Schäden und fielen etliche lose Ziegel auf. Es erfolgte zunächst eine Notsicherung, ehe die Planungen für eine Gesamtsanierung begannen. Verschiedene Fördermöglichkeiten wurden ausgelotet, Gutachten eingeholt, das Denkmalamt eingeschaltet, die Pfarrangehörigen informiert und befragt. Fast alle waren sich schnell einig: Das Dach muss in seiner einzigartigen Form erhalten werden. „Wir machen es so, wie es bereits unsere Vorfahren gemacht haben“, begründet Scherzer die Entscheidung. Bei handelsüblichen Dachziegeln (ohne Wappen) wären die Kosten wesentlich geringer geblieben. Jetzt schlagen alleine die eigens gefertigten Dachziegel mit mehr als einer halben Million Euro zu Buche, wie Architektin Barbara Geißel mitteilt. Sie hat die Planungen für die Ziegeleindeckung erstellt, hat die alten Wappen fotografiert, die Skizzen für die Ziegelbrennerei gefertigt und auch einige kleine Änderungen eingeführt. Neu ist nicht nur das Wappen mit dem Bischofsstab sondern auch eine Jahreszahl. Bisher stand, aus farbigen Ziegeln gelegt, auf dem achteckigen Turmdach 1450, das Jahr in dem der Turmbau vollendet wurde. Neueste Untersuchungen kommen jedoch zu dem Schluss, dass erst 1468 alles fertig war. Also steht künftig diese Jahreszahl in luftiger Höhe.

  Der Wind wird kälter, zumindest gefühlt. Die Dachdecker sind davon unbeirrt, legen weiter Ziegel um Ziegel, Reihe um Reihe auf die Dachlattung. „Wir schauen uns den Wetterbericht immer vorher an und entscheiden dann, an welcher Turmseite wir heute arbeiten“, verrät Peter Schudack. Wenn der Wind im Osten zu stark weht, wird eben die Südseite eingedeckt. Schon als junger Geselle hatte er am Liebfrauenmünster in Wolframs-Eschenbach zu tun. Damals half er beim Decken des Dachs am Langschiff der über 600 Jahren alten gotischen Hallenkirche. Beim Abstieg durchs Turminnere und durch den Dachstuhl findet sein Sohn Andreas später eine Erinnerung an diese Zeit. In Stein geritzt hatte sich Schudack vor über 30 Jahren dort verewigt. Wahrscheinlich wird er das auch am neuen Kirchturmdach tun, und das soll dann weit über 100 Jahre halten.

 

Andrea Franzetti

 

Ein Video über die besondere Dacheindeckung in Wolframs-Eschenbach finden Sie unter:

„www.bistum-eichstaett.de/video“.